Kriterien zur Auswahl des PKV-Unternehmens

Bilanzkennzahlen

Wer sich privat krankenversichern will, hat die Wahl unter knapp 50 Versicherungsunternehmen. Einerseits schön, wenn man eine derart große Auswahl hat, andererseits schwierig, aus dieser Vielzahl das „richtige „Unternehmen auszuwählen.

Stellt sich also die Frage: Worauf kommt es bei der Wahl eines Krankenversicherers an? Neben einem guten Verhältnis aus Leistung und Beitrag spielt auch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens eine wesentliche Rolle.

Während die Leistung garantiert ist, stellt die Prämie immer nur eine Momentaufnahme dar. Aus ihr lässt sich z. B. nicht ablesen, ob vielleicht in Kürze eine kräftige Beitragserhöhung droht und wie die langfristige Prämienentwicklung sein wird. Insofern ist das Preis-/Leistungsverhältnis - für sich allein betrachtet - nur bedingt geeignet, um einen Krankenversicherer auszuwählen.

Im Folgenden wird erläutert, welche Aussagekraft welche Kennzahlen besitzt und was bei der Interpretation zu beachten ist.

Zunächst wird der Komplex der Kennzahlen zur Sicherheit des Unternehmens und Finanzierbarkeit der Beiträge im Alter betrachtet. Hierzu werden die Eigenkapitalquote , die RfB-Quote und die RfB-Zuführungsquote beleuchtet.

Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote gibt das Verhältnis von Eigenkapital und Beitragseinnahmen wieder. Sie verdeutlicht, wie sicher das Unternehmen ist, bzw. inwieweit das Unternehmen etwaige kurzfristige Verluste ausgleichen kann. Durch die steigenden Anforderungen an die Gesamtsolvabilität der Unternehmen im Rahmen des EU-Projektes Solvency II wird die Bedeutung der Eigenkapitalausstattung in den nächsten Jahren zunehmen.

RfB-Quote
Diese Quote bringt Ausdruck, in welchem Umfang bezogen auf die Beitragseinnahmen in einem Unternehmen zusätzliche Mittel für Beitragsentlastungen - über die Altersrückstellungen und § 12a VAG hinaus - oder für Barausschüttungen in der Zukunft zur Verfügung stehen.

RfB-Zuführungsquote
Die RfB-Zuführungsquote gibt an, wieviel für die Finanzierung zukünftiger beitragsentlastender Maßnahmen oder für Barausschüttungen der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB zuzüglich poolrelevante RfB aus der Privaten Pflegepflichtversicherung) zugeführt wird. Diese Quote muss immer in Verbindung mit der RfB-Quote betrachtet werden.

Der zweite Komplex der PKV-Kennzahlen umfasst die Kennzahlen zum Erfolg und zur Leistung. Hierzu zählen die Nettoverzinsungen, die Schadenquote, die Quote der Verwaltungsaufwendungen, die Quote der Abschlussaufwendungen und die Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote.


Nettoverzinsung
Diese Kennzahl gibt an, welche Verzinsung ein Unternehmen aus seinen Kapitalanlagen erzielt. Ein Großteil des über die rechnungsmäßige Verzinsung von 3,5% hinausgehenden Teils der Kapitalerträge wird der Altersrückstellung gutgeschrieben, um Beitragserhöhungen im Alter zu finanzieren. Der restliche Teil erhöht den Überschuss. Die Nettoverzinsung wird durch Zu- und Abschreibungen beeinflusst. Bei der Beurteilung ist daher auch zu berücksichtigen, inwieweit in den Kapitalanlagen noch stille Lasten vorhanden sind.

Schadenquote
Diese Quote zeigt auf, in welchem Umfang die Beitragseinnahmen unmittelbar in Versicherungsleistungen und Altersrückstellungen fließen. Der Schadenaufwand umfasst dabei nicht nur die Aufwendungen für gegenwärtige Erstattungsleistungen, sondern auch die Zuführungen zu den Rückstellungen für das mit dem Alter wachsende Risiko (kurz: Altersrückstellungen). Zusammen mit der Verwaltungs- und der Quote der Abschlussaufwendungen wird die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote gebildet und sollte deshalb gemeinsam mit diesen Quoten betrachtet werden.

Quote der Verwaltungsaufwendungen
Diese Kennzahl gibt an, wieviel von den Beiträgen für die Verwaltung der Versicherungsverträge aufgewendet wird. Bei der Interpretation dieser Quote ist zu berücksichtigen, dass Ihre Höhe durch die Dienstleistungsqualität in den Bereichen Kundenbetreuung und -beratung, aber auch durch Investitionen, z. B. in der Datenverarbeitung, beeinflusst wird. Diese Kennzahl fließt gemeinsam mit der Schaden- und der Quote der Abschlussaufwendungen in die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote ein.

Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote
Diese Quote gibt an, wieviel von den Jahresbeitragseinnahmen nach Abzug der Aufwendungen für Schäden und Kosten prozentual übrig bleiben. Die so definierte Ergebnisquote ermöglicht eine zusammenfassende Betrachtung der Schaden-Kosten-Situation des Versicherers:

  • Ist die Ergebnisquote positiv, so war der kalkulierte Beitrag insgesamt ausreichend bemessen, allerdings kann das Schaden-Ergebnis (oder das Kosten-Ergebnis) dennoch negativ gewesen sein.
  • Ist die Ergebnisquote negativ, so hat der kalkulierte Beitrag nicht ausgereicht, um alle Aufwendungen abdecken zu können. Ursächlich dafür kann das Schadenergebnis und/oder das Kostenergebnis gewesen sein. Im Falle eines negativen versicherungsgeschäftlichen Ergebnisses stehen andere Überschussquellen, z. B. überrechnungsmäßige Zinserträge , nicht mehr in vollem Umfang als Basis für die Überschussverwendung zur Verfügung.

Rohergebnisquote
Diese Quote setzt das Rohergebnis nach Steuern ins Verhältnis zur Summe aus den Jahresbeitragseinnahmen und dem Kapitalanlageergebnis. Da in das Rohergebnis nach Steuern sowohl das versicherungsgeschäftliche Ergebnis als auch das Überzinsergebnis und das übrige Ergebnis eingehen, kann die Rohergebnisquote als umfassende Kennzahl zur Beurteilung des Erfolgs und der Leistung eines Unternehmens herangezogen werden.

Der dritte Komplex in diesem Programm umfasst die Kennzahlen zum Wachstum. Hierzu zählen z. B. die verdienten Bruttobeiträge und die voll versicherten natürlichen Personen.

Verdiente Bruttobeiträge
Verdiente Bruttobeiträge sind gebuchte Beiträge und die Veränderung der Beitragsüberträge, also der Versicherungsbeiträge, die der Versicherer bereits zum Bilanzstichtag eingenommen hat, die aber für die Risikoperiode nach dem Bilanzstichtag gezahlt wurden.

Marktanteil der verdienten Bruttobeiträge
Der Marktanteil der verdiensten Bruttobeiträge gibt den prozentualen Anteil der Bruttobeiträge im Vergleich zum Branchengesamtwert an. Hierbei sollte auch die Anzahl der vollversicherten natürlichen Personen miteinbezogen werden.

Veränderung der verdienten Bruttobeiträge
In dieser Kennzahl spiegelt sich die Veränderung der verdienten Bruttobeiträge im Vergleich zum Vorjahr wieder. Ein Wachstum kann entweder durch steigende Beiträge ausgelöst worden sein oder durch einen Zuwachs an Versicherten. Deshalb sollte auch die Veränderung der voll versicherten natürlichen Personen für eine Bewertung betrachtet werden.

Vollversicherte natürliche Personen
Die Anzahl der natürlichen Personen die bei einer bestimmten Gesellschaft versichert sind, können Sie aus dieser Kennzahl entnehmen. Hierbei werden nur Vollversicherungen und keine Zusatzversicherungen berücksichtigt. Auch ein Zusammenhang mit den verdienten Bruttobeiträgen ist herzustellen.

Wie errechnet sich der Branchenmittelwert?
Die Bilanzdaten der PKV-Unternehmen werden zu einem Unternehmen zusammengefasst und aus diesen summierten Werten werden die Kennzahlen berechnet.

Quelle: Vergleichsprogramm Softfair